Rhon Diels

Rhon Diels

Allgemein

Wenn man als Schauspieler einen Promi Status einer der weiter hinten im Alphabet befindlichen Buchstaben inne hat, wird man ja gerne mal von unbescholtenen Mitbürgern gefragt:
„…und wo hast Du schon überall mitgespielt?“
Oder so etwas wie:
„Wer ist die bekannteste Person, mit der du bisher zu tun hattest?“
Lieber beantwortet man dann doch solche Fragen wie sie mir erst neulich wieder von alten Bekannten gestellt wurde : „Das muss doch spannend sein, da erlebt man doch einiges oder?“
Ich konnte nicht umhin folgende tatsächlich erlebte Geschichte zum besten zu geben:

Hatte ich doch gestern erst irgendwo im Prenzlauer  Berg  beim dem  dritten Recall eines Castings das Rennen gemacht, stand  ich nun, keine 30 Stunden später auf dem Balkon meines Luxushotels in Bukarest mit Blick auf den unglaublich beeindruckenden Parlamentspalast von Nicolae Ceausescu. Ein Palast der Superlative.

Ein aufwendiger Werbespot für Tic Tac sollte hier innerhalb der nächsten drei Tage gedreht werden, mit mir als Römer, der den Löwen zum Fraß vorgeworfen werden soll.

Um 6.30 Uhr wurde ich von der netten attraktiven jungen Dame von der Rezeption persönlich geweckt – also ich meine telefonisch natürlich – und  keine weiteren 2 Stunden später stand ich im Amphitheater Tineretuli im Süden Bukarests  in der Manege.
Die 250 Komparsen die mich umgaben  mussten um einiges früher aufgestanden sein, denn sie waren schon in voller Römermontur.
So muss Hollywood sein dachte ich mir und fühlte mich ziemlich gut.
Es war ein unglaubliches Spektakel. Hier drehten wir also den neuen großen Werbespot für das kleine Minzbonbon.
Die Rumänen denen ich bisher begegnet war, waren unglaublich freundlich und zuvorkommend. Was ich etwas beschämend fand war, dass die eine Hälfte der Komparsen über eine Agentur gebucht war, die Ihnen  5 Euro pro  Tag bezahlte, der Rest kam gar für ein warmes Mittagessen. Der Frage, was ich verdienen würde, wich ich einigermaßen geschickt aus.
Die Stimmung war dennoch sehr gut und alle warteten nun nur noch auf den eigentlichen Hauptdarsteller:
Ein vier Jahre alter Löwe Namens „Bunny“ 250 kg Lebendgewicht, polischer Herkunft und ordentlich dressiert sollte er sein.
Schon von weitem hörten wir Ihn brüllen.
Was  wir dann sahen übertraf irgendwie die Erwartungen aller.
„Goldwin Meyers“ fiel mir sofort ein als er sein Maul zum brüllen aufriss.

Wie sich schell herrausstellte war das nicht Bunny, der dressierte Löwe aus Polen, welcher nun wegen fehlender Einreisepapiere an der Grenze fest hing, sondern dies war Alpha ein  riesiges 350 kg schweres Exemplar eines Löwens, den sie wahrscheinlich kurz zuvor noch in Transsilvanien eingefangen hatten, und der, wie sich noch heraus stellen sollte, nicht allzu leicht zu bändigen war.
Er schien sehr hungrig zu sein.
Da war  tatächlich so, denn `wenn man mit Löwen arbeiten wolle`, so erklärte mir das die Dompteurin Irina in gebrochenem Englisch, `geht das nur mit Hungrigen. Ansonsten lägen sie nur faul herum.´
Mittlerweile waren zwei weitere Stunden ins Land gestrichen und auch ich wurde langsam hungrig. Mit Liviu, einem sehr nettem Komparsen mit dem ich mich ein wenig angefreundet hatte, machte ich mich auf den Weg, nach dem Catering Mobil Ausschau zu halten.
Wir kamen zum Suppenmobil für die Komparsen, und liessen uns den Weg zu meinem Luxus Catering erklären.  War  mir ziemlich peinlich. Es war ein relativ weitläufiges Gelände. Liviu nahm ich mit.
Schon von weitem sahen wir die Staubwolke. „Exodus! Movement of the people“ viel mir spontan ein. Eine Meute von etwa achtzig Leuten kamen auf uns zugerannt.
„Run! Go and hide in a car! The Lion is free!“
So schnell wie die Meute aufgetaucht war, war sie auch wieder verschwunden, und mit Ihr  Liviu. Mein Wohnmobil stand ja in der Richtung, wo die Meute herkam. `Blöde Idee` dachte ich, als ich mich schon auf einen der zahlreichen Bäume klettern sah.
Also rannte ich mit wachsamen Augen und rasendem Herzen in Richtung meines Wohnmobils, also in genau in die Richtung aus der die anderen gerannt kamen. Am Wohnmobil angekommen hämmerte ich gegen die wackelige Papptüre desselben,  die von innen schon von  meinem Kollegen dem Caesar Darsteller  verriegelt worden war,  der nun mit  panischen Augen die Tür  öffnete.
Im gefühlt `letzten Moment` machte ich einen Hechtsprung hinein.

Caesar hatte sich schon ein zwei Tuica, rumänischen Pflaumenschnaps,  einverleibt, und faselte über die Standhaftigkeit unseres Hymer Wohwagens.
Das Walkie Talkie, welches Caesar und mich zu unserem Auftritt zitieren sollte, versorgte uns mit Informationen.
Alpha hatte seine Dompteurin Irina, als diese den  Käfig öffnen wollte,  gnadenlos überrannt und sie mit starken Quetschungen, und wie sich später heraus stellte auch  einigen gebrochenen  Rippen, liegen gelassen. Manchmal muss man eben auch mal Glück haben.

Er tobte sich nun, nach einem kurzen Moment auf dem Parkplatz, in der Arena aus. Er randalierte förmlich, warf Lampen um und suchte nach fressbarem oder einem Ausgang.
Es gab mehrere Ausgänge des Amphitheaters in Form von Saloon ähnlichen Holztüren,  die nun von Helfern des Rumänischem Filmteams zugehalten wurden. Einer von Ihnen musste ärztlich versorgt werden, da der Löwe mit seiner Pranke unter der Schwingtüre durchgewischt hatte und Ihn berührt hatte – Verdacht auf Herzinfarkt – kein Witz.
Ich möchte nicht wissen wie viel Schweiß unser Kameramann mittlerweile vergossen haben musste, der sich noch immer unter dem Moltonflies  in mitten der Arena versteckte, und ohne weiteren Schutz  dort ausharrte.
„Was macht er denn jetzt?“ krächtzte es durchs Walky-Talky „Er  schmeißt  einen Kühlschrank um und mache sich am Inhalt zu schaffen.“ „WAS IST DAS ? Kaffeesahne? Scheint Ihm zu schmecken“ witzelte unser Aufnahmeleiter über die Funkverbindung.
Zwischenzeitlich war mit heulenden Sirenen die Bukarester Polizei angerückt und zwar ALLE – Es  sah aus wie auf einem Kriegsschauplatz, alles voller Polizisten und Militärs.
Voll war mittlerweile auch Cäsar. Aus den zwei waren zwölf Schnäpschen geworden und auch ich hatte mir den ein oder anderen gegönnt.
Scharfschützen und Männer mit Maschinenpistolen positionierten sich.

Unser Regisseur, ebenso wie die beiden Produzenten waren  bemüht die Polizei davon zu überzeugen das Tier  wirklich nur im Notfall zu erlegen – weniger aus Tierliebe –  sodern mehr von dem Gedanken geleitet, daß wir ohne Löwe nicht mehr drehen konnten.

Die Dompteurin war nach erster notärztlichen Versorgung wieder todesmutig in den Ring gestiegen  und versuchte mit einem Löwenleckerli, das wie eine handelsübliche Bifi aussah unseren Alpha wieder in seinen Zwinger zu locken.

Dann endlich das Aufatmen: Der  Tierarzt war gekommen, bewaffnet mit einem Betäubungsgewehr.
Das  konnte er  aber gleich wieder eistecken, da der Löwe zwischenzeitlich schon unschädlich gemacht worden war.
Glücklicherweise nicht von der Polizei sondern von Irina, der Bifi Dompteurin.
Sie hatte es tatsächlich geschafft das Schwergewicht wieder hinter Gitter zu bringen und fütterte Ihn nun,  zur Beruhigung aller, mit einem halben Reh.
In unserem Wohnwagen war inzwischen Hochstimmung angesagt. Alles deutete auf einen zusätzlichen Drehtag hin.
Da der Löwe nun satt war, konnte er ja nun nicht mehr agieren und wir sollten zurück ins Hotel gebracht werden.
Ich hatte doppelt Glück, schließlich sollte ich ja dem Löwen zum Fraß vorgeworfen werden. 😉

Bevor wir mit den Produzenten im selben Wagen sitzend ins Hotel chauffiert wurden, genehmigten  sich Caesar und meine Wenigkeit schnell noch jeweils zwei  Tic Tac…
(to be continued)

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Rhon Diels, geboren 1975 in Marburg an der Lahn
Agentur