Stefanie Masnik

Allgemein

Ich bin gebürtige Cottbuserin. Als ich ein Kind war, wuchs ich 3 Jahre im Schwarzwald auf.
Wenn mich dort die Kinder fragten, wo ich herkam, sah ich mich nach meiner Antwort sehr oft
dem Satz „Liegt das in Polen oder was?!“ gegenüberstehen.
Damals hat mich das genervt, weil ich nicht verstand, warum man Cottbus nicht kennt.
Wir hatten doch sogar ein recht passables Fußballteam…
Heute lache ich über diese Erinnerung.

Meine Heimat. Meine Wurzeln. Zwei grundlegende Dinge, die mich ausmachen.
Manche meiner alten Klassenkameraden kommen nur selten zurück in die Heimat. Aber irgendwie hatten wir alle mal den Gedanken: „Nach der Schule haue ich hier ab. Ich will in die Großstadt. Da ist was los.“
Und ich selbst bin ja auch gegangen. In die Großstadt. Nach Berlin.
Während meines Schauspielstudiums empfand ich alles bei meinen Besuchen in meiner Heimatstadt als langsam.
Ich war davon überzeugt, dass sogar die Straßenbahn langsamer fuhr als in Berlin.
Es dauerte immer 2 oder 3 Tage bis sich mein inneres Tempo von der schnelllebigen Großstadt wieder runtergeregelt hatte.

Mittlerweile ist viel Zeit vergangen, seit ich aus meinem Jugendclub in Cottbus auf meine Schauspielschule in Berlin ging und schließlich mein Diplom machte.
Heute arbeite ich bei einem Tourneetheater im ganzen Land. Ich habe nicht mitgezählt wie viele Städte ich innerhalb von 1 1/2 Jahren gesehen habe – es waren eine ganze Menge. Und während dieser Zeit auf Tour; während diesen Wochen, in denen ich jeden Tag in einem anderen Hotel in einer anderen Stadt war, kam mir der Klischeegedanke in den Kopf „In der Heimat ist es einfach am schönsten!“.
Und ja es stimmt! Mir wird immer bewusster, wie wichtig mir meine Wurzeln sind; dass ich gern mit Ihnen verbunden sein möchte.

Was bedeutet es für mich als Schauspielerin nach Hause zu kommen? Ganz einfach: hier hat alles angefangen. Hier finde ich meine Familie und tanke meine Akkus wieder auf.
Heimat bedeutet für mich meinen Ursprung zu finden und eben zum Beispiel auch eine neue Sprache zu lernen.
Ja, ganz richtig. Eine neue Sprache. Ich bin Niederlausitzerin. Meine Oma spricht Niedersorbisch. Als ich ein Kind war, bin ich in den Sorbischen Kindergarten meiner Stadt gegangen. Die Sprache lernte ich als Kind leider nicht.
Immerhin blieben mir Floskeln wie „Bitte“ , „Danke“ und „Guten Appetit“ im Kopf haften.
Wir wuchsen mit sorbischen Bräuchen auf, trugen zu bestimmten Anlässen Trachten. Die Fotos davon hole ich gern vor und schaue sie mir an. Und jedes Mal denke ich „Verdammt, du hattest so eine Tracht das letzte Mal als Kind an.“ Und nehme mir vor diese Tatsache dringend zu ändern.

Heute mit 25 Jahren beginne ich erneut in die sorbische Kultur einzutauchen. Ich versuche eine Sprache zu erlernen, die laut Sprachwissenschaftlern voraussichtlich keine lange Lebensdauer mehr haben wird. Warum also das Ganze?
Weil wunderbare Kulturen nicht sterben dürfen.
Weil es meine Heimat ist, die ich liebe.
Und weil es verdammt nochmal Spaß macht.

Lubujom móju domownju!

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Stefanie Masnik, geboren 1990 in Cottbus
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