Farouk El-Khalili

Farouk El-Khalili

Allgemein

Damals als ich mit meinen Eltern aus dem Irak nach Deutschland kam, war es für mich wie eine Art Kulturbruch die stattfand, da ich zuvor ein ganz anderes Verständnis von Leben hatte als heute. Eher Freiheit anstatt Leben. Denn Freiheit ist immer das was man daraus macht, für jeden einzelnen persönlich. Und Freiheit ist das was uns Menschen am meisten am Herzen liegt.

Aber als Kind zog ich mich mehr innerlich zurück. Durch meine sensible Ader war es mir unbegreiflich zu verstehen was der Mensch in meiner Umgebung wollte. Es verwirrte mich, die Gefühle der Menschen zu interpretieren und habe deshalb auf aufbrausende Art und Weise reagiert. Also ein Temperament mit einer Brise arabischen Feuer hinzugefügt.

Das Leben im Irak, und das noch als Ältester und erstgeborener Junge, war ein ganz anderes, eher ein pragmatisches Leben, dass ich mir selbst nie richtig bewusst gemacht habe. Da ich mich schlichtweg der Realität entzog. Auch als unser neues Leben in Berlin begann.

Ich machte mich selbst zum Aussenseiter, auch innerhalb meiner Familie, da ich immer der Meinung war das ich selbst nichts wert war. Was meine Freunde und meine Familie natürlich nicht so sahen. Weshalb sie mich in die Realität zurückzuholen versuchten. Allen voran mein Vater, der mir meine Angst nehmen wollte. Doch auch da flüchtete ich.

Und irgendwie wurde diese Angst und diese Flucht ein Teil von mir. Alles was ich begann, vollendete ich im seltenen Falle. Bis zu jenem Zeitpunkt als die Realität bei mir einbrach. Als meine Freundin mich verliess und mir in dem Moment bewusst wurde, dass meine Intuition mich doch vorab immer gewarnt hatte, das das passieren könnte.

Ab da an keimte es. Ich wollte nicht mehr flüchten. Ich wollte mich meiner Angst stellen. Und so begann ich mit dem Sport, begann mein Leben umzukrempeln. Kehrte Deutschland für knapp zwei Jahren den Rücken und arbeitete als Entertainer und Animateur im Ausland.

Später kehrte ich zurück und machte weiter. Ich wollte nicht mehr stagnieren und sitzen bleiben. Ich wollte mich den Herausforderungen des Lebens stellen. Und dafür wusste ich, musste ich viel tun. Auch wenn ich wieder fallen würde.

Und, jetzt, nach all diesen Erfahrungen und ebenso den neuen Erkenntnisse die ich gemacht bzw. gewonnen habe. Nach dem Fallen und wieder Aufstehen, hat das Lernen und Erlernen nie aufgehört!

Das Leben gibt uns die Freiheit aus unseren Fehlern und Ängsten zu lernen. Wir müssen sie nur ergreifen und nutzen, um unseren Kreis zu verlassen, wenn der Bedarf besteht ihn zu verlassen.

Ich änderte also meine Sichtweise auf die Welt und stellte mich der Herausforderung des Lebens. Als Kind, als Mann, als Flüchtling, als Sohn, als Bruder, als Freund, als Geliebter, als Schauspieler, als Mensch stellte ich mich der Realität.

Denn um Albert Brassermann zu zitieren:
„Ich bin nie fertig. Und das sollten sie auch nicht sein.“

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Farouk El-Khalili, geboren 1981 in Berlin
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