Marc Philipps

Marc Philipps

Allgemein

Es kommt in Berlin ja oft vor, dass man interessante Persönlichkeiten kennenlernt, die einem in guter Erinnerung bleiben und wenn man sie nach einiger Zeit wiedersieht alles beim Alten ist und man sich genauso blendend versteht wie beim ersten Mal.

Das es bei mir und Hannes etwas über sechs Jahre gedauert hat, kann ich mir beim besten Willen selbst nicht erklären und da wir uns dann immer soviel zu erzählen haben und ich beim Fotoshooting nicht mehr dazu gekommen bin, erzähle ich euch jetzt diese eine Geschichte aus meinem Leben.

Bei meinem Namen kommt man mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht direkt darauf, dass ich Sohn einer rumänischen Mutter und eines deutschen Vaters bin.
Wenn es darum geht eine Geschichte aus dem Heimatland meiner Mutter zu erzählen, muss ich nicht lange nachdenken. Es gibt einfach zu viele…

Ich war elf Jahre alt und meine Familie entschied sich einen Ausflug ins Donaudelta zu machen.
Wir brachen am frühen Morgen auf, um mit dem Zug nach Tulcea, einer Hafenstadt am Rande des Donaudeltas zu fahren. Dort angekommen kann man dann entweder ein Tuckerboot oder ein Dampferschiff nehmen, um an durch die biosphärischen Reservaten nach Sulina, der Mündung des Sulinaarms an dass Schwarze Meer zu gelangen. Eigentlich sollte uns ein ehemaliger Patient meines Onkels durchs Delta schippern, aber dieser tauchte irgendwie nicht auf.

So kam es dazu, dass ich Stunden später in einem überfüllten Dampferschiff saß. Ich war verblüfft und erfreut zugleich über die Schönheit des Deltas. Noch nie habe ich zuvor in meinem Leben Pelikane und Flamingos in freier Wildbahn gesehen.

Wir wohnten in einer Unterkunft, einer Art Holzhütte, in der früher Armeeangehörige ihren Urlaub verbrachten. Nach der rumänischen Revolution (1989), kümmerte sich keiner mehr darum und die Wohnung war sehr verkommen. Da es sehr heiß war, freute ich mich auf eine Dusche. Im Badezimmer war meine Enttäuschung grenzenlos, da gar kein Wasser raus kam, was nicht ganz stimmt, denn nach einiger Zeit kam was flüssiges rostiges und anschließend nur kaltes Wasser aus dem Duschkopf. Letztendlich war ich auch damit zufrieden. Besser als gar nichts.

Zurück zu dem Mann mit dem Boot, der uns durchs Delta fahren sollte. Selbst nach dem dritten Tag erschien dieser nicht und somit gab ich auch langsam die Hoffnung auf, dass es noch dazu kommt. Wir haben fast drei Tage in der Nähe des Donaudelta verbracht und sind mit einem Tuckerschiff hin-und her gefahren, ohne wirklich weiter zu kommen.

Irgendwann mal waren wir auf einer kleinen Halbinsel in verlassenen und von trockenen Gräsern überzogenen Holzhäuschen. Hier bin ich mit meinem Vater und meinem Bruder Fischen gegangen und sowohl mein Bruder als auch mein jüngerer Cousin freuten sich auf eine endlich andere Art von Mahlzeit. Um nicht zu erkranken haben wir uns für eine sehr einseitige

Mahlzeit entschieden. Wir ernährten uns ausschließlich von Brot, Cola und Käse, der bei 40 Grad von der Sonne komplett verformt war und in seinem eigenen Fett schwamm.

Irgendwann sind wir dann auch mit einem größeren Passagierschiff gefahren – man muss sich das wie einen Bus in dem Bauern mit ihrem ganzen Hab und Gut inklusive Tieren von A nach B fahren, vorstellen. Nach einiger Zeit kam der Kapitän zu uns und hat den Leuten mitgeteilt, wer auf dem Schiff bleiben darf und wer nicht.
Keiner verstand anfänglich, was los war. Es stellte sich heraus, dass mitten im Donaudelta ein russisches Schiff versunken war und da eine Bergung zu teuer gewesen war, haben die Russen das Schiff kurzerhand einfach da gelassen. Deswegen konnte der Kapitän nur wenige Passagiere an Bord lassen und der Rest musste aussteigen, um dreihundert Meter weiter aufwärts wieder einsteigen zu können. Der Grund dafür war, dass das Delta an dieser Stelle sehr eng war und unser Schiff vollbeladen nicht an dem russischen Kahn vorbei kam. Ich durfte mit meiner Mutter auf dem Schiff bleiben und der Rest der Familie musste aussteigen.

Als wir nach drei Tagen Irrfahrt endlich ein Restaurant fanden, haben wir Fritten und was Gegrilltes bekommen. So „Fürstlich“ wie wir da gegessen haben, so haben wir noch nie gegessen. Danach haben wir entschieden wieder nach Bukarest zurückzufahren, da die Person, die mit dem Boot auf unsere Familie angeblich wartete nie kam und auch sonst nicht zu finden war.

Als wir uns mit einem Boot auf den Rückweg machten, fuhr an uns das Boot vorbei, das uns abholen sollte, um uns durchs schöne Donaudelta zu fahren. Wir haben uns halt verpasst.
Wir kamen in dreckig und müde, aber irgendwie sehr glücklich in Bukarest an, obwohl unser geplantes Vorhaben sich nicht im Mindesten realisieren ließ.

Die Geschichte steht im Grunde genommen in engem Zusammenhang zu meinem Beruf.
Man begibt sich auf eine Reise ohne zu wissen, wo man letztendlich landet oder ob man ankommt und falls ja, wie.

Ich habe meinen Weg über die bildende Kunst zum Schauspiel gefunden. Wohin mich meine Reise noch führt kann ich weder voraussagen noch wissen und genau das ist das Spannende daran.
Alles bleibt offen!

Übrigens….an dem nächsten Treffen mit Hannes arbeite ich schon jetzt, denn das kann ich beeinflussen und das darf nicht sechs Jahre dauern.

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Marc Philipps, geboren 1981 in Bonn
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