Stephan Jurichs

Stephan Jurichs

Allgemein

Das Clubhaus – 1995

Mein bester Freund und ich sitzen wie jedes Wochenende in unserem „Clubhaus“ im Garten seiner Eltern. wir streunen durchs Gebüsch, spielen Räuber und Gendarm, springen in den Teich, stellen uns vor mit einer Zeitmaschine in eine andere Zeit zu reisen und genießen unsere abenteuerliche Kindheit.

Wir sind wie Pech und Schwefel und sind nun seit zwei Jahren ein Team. Als wir uns das erste mal begegnen sind wir uns sicher: zwei Aussenseiter sind stärker als der stärkste auf dem Schulhof. Hand in Hand laufen wir durchs Leben und mir ist bewusst dass sich mein Leben komplett umkrempelt.

Im Gegensatz zu heute bin ich ein sehr schüchternes Kind ohne großes Selbstbewusstsein.

Wir werden umgeschult und unsere Wege trennen sich nun.
Ein Jahr später erfahre ich, dass er bei einem Autounfall verstorben ist.

Ich bin früh aus meinem Elternhaus ausgezogen. Ich fange an am Theater zu arbeiten, lebe in einem Internat und lege mir ein dickes Fell und eine große Portion Selbstbewusstsein zu. Ich darf das erste mal meine Leidenschaft kennenlernen. Diese hält bis heute an, gerade wegen allen Höhen und Tiefen.

Das Berufsrisiko – 2007

Es regnet. Die Ecke riecht nach Urin und ich finde keinen sauberen Platz um meinen Schlafsack auszubreiten.
Nach langem hin und her finde ich endlich Ruhe, die Autos an der Hauptstraße dröhnen mir ins Ohr, es wird schon hell und ich muss anfangen mein Lager für die Nacht zusammen zu räumen um mich auf den Weg in die City zu machen. Die Straßen sind nass und ich fühle mich elend, müde, schmutzig und beschämend. Im großen und ganzen war meine erste nacht spitzenmäßig.

Ein paar Monate später habe ich mir meinen Tagesablauf ganz gut eingeteilt.
Aufstehen, Morgentoilette, Nachtlager zusammenbauen, einen heissen Kakao trinken.
Nach Proben und Aufführungen am Theater, nach all der Bemühung als Kinderhüter, Toilletenreiniger, Kaffeeringer, Bordellhausmeister, Werbeläufer ect. Geld zu verdienen suche ich meine Schlafstätte auf. Manchmal schlafe ich auch in Notunterkünften oder bei Kollegen. Das wichtigste ist mir die körperliche Pflege, kein Alkohol und keine Drogen. Immer klar bleiben und das Ziel nie aus dem Auge verlieren.

Durchstarten – 2016

Manchmal benötigen wir im Leben eine helfende Hand.
Man muss es anpacken wenn man etwas erreichen will und darf nicht in der Ecke kauern und sich darüber beschweren. Wir alle haben es schwer im Leben und mit eisernem Willen, Mut, Menschlichkeit, Ehrgeiz und einem Lächeln auf den Lippen können wir alles zu Stande bringen.

Ich bin sehr dankbar für diese Erfahrungen auf meinem Lebensweg, denn es zeigt mir jeden Tag was für ein unsagbares Glück ich habe wenn ich die Glücksmomente meiner Kindheit, in meinem warmen Bett schlafen darf und was es heißt nach vorn zu blicken.

Wir sollten nicht Träumen, sondern unsere Träume endlich wahr werden lassen und jeden Berg erklimmen, durch jedes Tal gehen und Probleme als Aufgaben sehen.

__________

Stephan Jurichs, geboren 1984 in Halle an der Saale
Webseite