Camilla Nowogrodzky

Camilla Nowogrodzky

Allgemein

Wenn mich jemand aus dem Nichts fragt, ob ich von mir erzählen kann, bekomme ich eher ein beklemmendes Gefühl. Meistens beschreibe ich dann lieber was ich in der letzten Zeit beruflich getan habe, um dann diesbezüglich meine persönlichen Eindrücke zu schildern. Warum? Für mich ergibt es oft keinen Sinn zusammenhanglos über persönliche Befindlichkeiten und Gedanken zu erzählen, die so tagesabhängig und stets im Wandel sind. Gedanken und Gefühle empfinde ich erst als relevant, wenn sie im konkreten Verhältnis zu einem Thema oder zu einem bestimmten Menschen stehen, denn erst dann findet für mich ein Prozess statt, der mich in meiner Entwicklung bereichern kann und nur dann bekomme ich neue Einsichten und Erkenntnisse. Das macht mich lebendig und darin sehe ich den Sinn meiner menschlichen Existenz. Worte, Worte, Worte…überall Worte. Einerseits schön zu erkennen, wie ähnlich wir uns alle im Kern sind, andererseits traurig, wenn ich erlebe wie viele Menschen nur in eigenem Mikrokosmos vor sich hin existieren und nicht mehr offen für ihr Gegenüber sind. Wahrscheinlich fällt es mir auf, weil ich selber aufgrund meiner Lebensumstände oft gezwungen war mich durch viele Widrigkeiten als Einzelkämpferin zu behaupten bis ich in meinem Schauspielstudium so wirklich bewusst wahrnehmen konnte was es heißt, wenn mehrere Menschen in einen Austausch kommen und sich gemeinsam mit Themen beschäftigen, die offensichtlich uns alle betreffen. Ob wir zu befriedigenden Schlüssen kommen oder darin scheitern spielt für mich eigentlich gar keine Rolle. Der Weg dahin und das was währenddessen passiert ist das Wesentliche. Am meisten erfüllt mich aber natürlich, wenn neue Denkansätze oder neuer Umgang mit bestimmten Problemen entstehen.

Wie auch immer, habe ich deshalb nicht vor zu schildern, dass ich mich manchmal einsam fühle, weil ich zurzeit Single bin oder dass ich manchmal keine Lust habe mich mit der deutschen Bürokratie zu beschäftigen oder dass existenzielle Ängste meine treuen Begleiter sind. Ja, das ist so, aber ich meine es gehört eben zum Leben dazu. Vielmehr interessiert mich wie mein Gegenüber und ich damit umgehen. Ich versuche mich selbst als Individuum nicht zu ernst zu nehmen. Natürlich durchlebe ich wie jeder andere Phasen in denen es schwer fällt, aber in solchen Momenten versuche ich trotz allem alles anzunehmen wie es kommt und in Bewegung zu bleiben.

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Camilla Nowogrodzky, geboren 1989 in Hannover
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